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am 24.01.2018

Vorfreude auf Bibimbap

Katharina Althaus

Bundestrainer Andreas Bauer bereitet seine Topathletinnen in Oberstdorf auf Olympia in Pyeongchang vor. Das koreanische Nationalgericht gibt’s aber noch nicht so schnell.

Skispringerinnen sind geübt darin, geduldig zu sein. In Training und Wettkampf müssen sie oft warten, sich konzentrieren und Minuten später wieder warten. Abläufe stupide zu wiederholen, gehört zum Tagesgeschäft.
In der Audi Arena war die Tugend Geduld bei den beiden deutschen Top- Skispringerinnen Carina Vogt (25) und Katharina Althaus (21) nicht nur oben am Schanzenturm gefragt, sondern auch im Auslauf der Schattenbergschanzen. Da stehen sie nach dem Spezialtraining im weichen Schnee, nehmen ihren Trainer Andreas Bauer in die Mitte und müssen warten. Darauf, dass der Kameramann sein Okay gibt, dass der Tontechniker sein Wuschel-Mikrofon an einer langen Teleskopstange über ihre Köpfe platziert und dass der Reporter der ARD endlich das Kommando gibt. „Los.“ In diesem Moment ist die gleiche Präzision gefragt wie beim Absprung am Schanzentisch.

„Wir sind be...“ Stopp, schreit plötzlich einer, noch mal. Dass er den falschen Knopf drückte, wird schmunzelnd hingenommen. Also von vorn. Wie im Chor, aber ohne 1-2-3, sagen Althaus, Bauer und Vogt den Satz noch einmal auf: „Wir – sind – bereit – für – Pyeongchang.“ Schön parallel – und mit einer Punktlandung bei der Silbe -chang. Die Aufnahme sitzt. Weil zwei weiteren Kollegen vom Radio aber in den Kopf schießt, sie könnten für ihre Olympia-Vorberichterstattung doch auch noch gut so einen Aufsager brauchen, wird Bauer und seine Mädels noch einmal Geduld abverlangt – und dieser eher spekulative Satz mit „Wir sind bereit“.

Es ist Medientag des Deutschen Skiverbandes – drei Wochen, bevor es im südkoreanischen Pyeongchang um die olympische Einzelmedaille im Frauenskispringen geht. Genau genommen müssten sie den Satz abwandeln in „Wir machen uns bereit für Pyeongchang“. Denn in Oberstdorf bestreiten Trainer- und Betreuerstab zusammen mit den beiden Top-Athletinnen ein Spezialtraining vor dem Saisonhöhepunkt in Korea. Am Material wird ebenso gefeilt wie am Sprungstil, drei Experten des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) aus Leipzig erfassen alle relevanten Daten bei Anlauf, Absprung sowie in der Flugphase – und werten sie abends zusammen mit den Athletinnen aus. „Wir überlassen nichts dem Zufall“, sagt Bauer, „die Zahlen liefern im Idealfall den Beweis, dass nicht nur das Gefühl für den richtigen Sprung passt.“

Neben den Einheiten an der Normalschanze von Oberstdorf, die laut Bauer – was die Geometrie betrifft – fast 1:1 mit der Olympiaanlage in Korea vergleichbar sei, stehen im Allgäu auch noch Gespräche mit einer Ernährungsberaterin und einem Sportpsychologen auf dem Programm.
Nachträglich stießen die beiden ebenfalls nominierten Ramona Straub (Langenordnach) und Juliane Seyfarth (Ruhla) zum Team. Die Oberstdorferin Gianina Ernst, die vor vier Jahren als jüngste Athletin nach Sotschi durfte, muss diesmal zuschauen. Sie erfüllte zwar die DOSB-Norm, nicht aber die strengere Vorgabe des Skiverbandes mit zwei Top-8-Plätzen im Weltcup. Olympiasiegerin Carina Vogt wirkt locker wie selten zuvor. „Ich muss in Pyeongchang nichts hinterherlaufen. Ich hab’ mir meinen Traum schon erfüllt.“ Die Degenfelderin, die bei Großereignissen in den letzten Jahren stets ihre Bestleistungen abrufen konnte, will sich „nur wieder in die Position bringen, dass ich die anderen ärgern kann. Alles andere passiert.“ Ähnlich sieht es Katharina Althaus, die in dieser Saison konstant aufs Podest sprang und sich mit der Norwegerin Maren Lundby lange einen erbitterten Zweikampf an der Weltcup-Spitze lieferte. „Ich freu’ mich drauf, wenn’s losgeht und wenn ich zeigen kann, was ich kann.“ Das Olympia-Trainingslager und der Verzicht auf die Weltcups in Japan, bei der Lundby der Oberstdorferin 260 Punkte enteilt ist, sieht Althaus dennoch positiv: „Daheim runterfahren ist immer gut. Und das Training hier war enorm wichtig.“ Jetzt freue sie sich aber darauf, wenn es am Wochenende in Ljubno (Slowenien) und eine Woche später in Österreich (für den in Hinzenbach abgesagten Wettbewerb steigen eventuell Seefeld oder Villach ein) im Wettkampf-Rhythmus weitergehe, ehe das Team am 6. Februar in den Flieger steige. Pyeongchang, das sie bei einem Trainingslager im Oktober letzten Jahres schon einmal kennengelernt hat, gefällt ihr. Angetan war sie da vor allem vom Bibimbap, einem Reisgericht mit Fleisch
und viel Gemüse. „Das ist mega-gesund und schmeckt genial“, weiß Althaus. Doch auf koreanische Küche muss sie in der ersten Olympia-Woche erst einmal verzichten. Der Deutsche Skiverband hat außerhalb des Athletendorfes eine Unterkunft nahe der Skisprungschanze gebucht – und dafür gleich noch einen deutschen Koch engagiert ...

Allgäuer Anzeigeblatt, 24.01.2018

am 15.01.2018

Mit Bus und Bahn zum Skifliegen nach Oberstdorf

Skifliegen 2017

Oberstdorf freut sich auf eine grandiose Flugshow mit den besten Skifliegern der Welt. Dazu werden von Donnerstag bis Sonntag, 18. bis 21. Januar, wieder jede Menge Besucher erwartet. Deshalb wirbt das Organisationskomitee, Gemeinde und Landratsamt dafür, Busse und Bahnen zu nutzen, um möglichst bequem und stressfrei zum Skifliegen nach Oberstdorf zu kommen.

Oberstdorf freut sich auf eine grandiose Flugshow mit den besten Skifliegern der Welt. Dazu werden von Donnerstag bis Sonntag, 18 bis 21. Januar, wieder jede Menge Besucher erwartet. Damit erhöht sich die Gefahr von verstopften Straßen rund um Oberstdorf und Staus auf den Zufahrtswegen. Deshalb wirbt das Organisationskomitee, Gemeinde und Landratsamt dafür, Busse und Bahnen zu nutzen, um möglichst bequem und stressfrei zum Skifliegen nach Oberstdorf zu kommen.

Busse und Bahnen ermöglichen eine bequeme und stressfreie Fahrt zur Skiflug - Weltmeisterschaft vom 18. bis 21. Januar in Oberstdorf: Die Bahnen DB Regio Bayern und Alex-Länderbahn setzen zusätzlich zu den fahrplanmäßigen Zügen des Allgäu-Schwaben-Taktes Sonderzüge ein und erhöhen das Platzangebot. In den Zügen gelten auch Angebote wie „Schönes-Wochenend-Ticket“, das „Bayern- und Regio-Ticket“ sowie die Bus/Bahn-Tages und Urlaubskarten des Landkreises Oberallgäu. Die Busse der Verkehrsgemeinschaft Oberallgäu verkehren im südlichen Landkreis fahrplanmäßig. Zusätzlich gibt es Sonderbusse, insbesondere in den Abendstunden. Die Sonderfahrpläne liegen an den Bahnhöfen im Oberallgäu und Kempten aus und sind hier in den angehängten pdf-Dokumenten einsehbar.

Im Zug und Bus gültig sind die Tageskarten „Oberallgäu/Kempten“ und „Südliches Oberallgäu“. Alle Angebote erhalten Sie an den Verkaufsstellen/Automaten der Bahnen.

Zwischen dem Bahnhof Oberstdorf und der Skiflugschanze verkehren kostenfreie Pendelbusse. Oder machen Sie einen gemütlichen Spaziergang zur Skiflugschanze im Stillachtal (ca. 45 Minuten; 4,5km).
Der Fußweg ist ausgeschildert und führt durch die Fußgängerzone von Oberstdorf vorbei am Nordic Park / Winterfest über das Langlaufstadion Ried zur Skiflugschanze.

Oberstdorf und die Skiflugschanze erreichen Sie natürlich auch mit dem PKW. Die Veranstaltungsparkplätze befinden sich am Langlaufstadion im Ried. Von dort führt der Fußweg entlang der Birgsauer-Allee in 15 Minuten (1,5km) zur Skiflugschanze. Die Parkplätze sind kostenpflichtig (5 EUR/Tag). Bitte beachten Sie, dass die Pendelbusse nicht am Langlaufstadion Ried halten. Weitere kostenpflichtige Veranstaltungsparkplätze befinden sich am Ortseingang von Oberstdorf (P1/P2/P3). Von dort (Bahnhof/P3) besteht eine kostenfreie Pendelbusanbindung zur Skiflugschanze.

Bitte folgen Sie der Ausschilderung und dem Parkleitsystem!

Aufgrund begrenzter Parkflächen bittet das Organisationskomitee alle Zuschauer, möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen!

am 15.01.2018

Althaus setzt Podiumsserie fort

Katharina Althaus gewinnt Nachtspringen 2017

Oberstdorf Katharina Althaus hat ihre Erfolgsserie im Skisprung-Weltcup der Frauen fortgesetzt

Oberstdorf Katharina Althaus hat ihre Erfolgsserie im Skisprung-Weltcup der Frauen fortgesetzt. Mit den Rängen zwei und drei gelangen der 21-jährigen Oberstdorferin im japanischen Sapporo zwei weitere starke Ergebnisse. Stärker war nur die Norwegerin Maren Lundby, die sich bei beiden Einzelspringen den Sieg holte. Lokalmatadorin Sara Takanashi unterstrich mit den Plätzen drei und zwei die Vorherrschaft der Top 3 im Frauen-Skispringen.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt/15.01.2018

am 15.01.2018

Geiger kocht Rydzek auf der Zielgeraden ab

Vinzenz Geiger

20-Jähriger schafft mit Frenzel ersten Sieg in Kombi-Weltcup

Der Oberstdorfer Vinzenz Geiger sorgte beim Weltcup der Nordischen Kombinierer im italienischen Fleimstal für eine faustdicke Überraschung. Der 20-Jährige führte das zweite deutsche Team mit dem Oberwiesenthaler Eric Frenzel zum Sieg im Teamsprint gegen das favorisierte Duo Deutschland I mit Fabian Rießle und dem amtierenden vierfachen Weltmeister Johannes Rydzek. Geiger sorgte mit einem 131-Meter-Satz schon beim Springen dafür, dass sein Team mit einem 15-Sekunden-Vorsprung in die Loipe ging. Dort ließ er sich von seinem Vereinskameraden Rydzek lange ziehen, ehe er ihn auf der Zielgeraden überholte. Nach seinem Junioren-WM-Titel letzten Winter ist der erste Weltcup-Sieg der bislang größte Erfolg von Vinzenz Geiger. Im Einzelbewerb wurde Rydzek Vierter, Geiger Achter.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt/15.01.2018

am 30.12.2017

Kamil Stoch gewinnt das Spektakel von Oberstdorf

Siegerpodest

Der Gesamtsieger des Vorjahres glänzt zum Tournee-Auftakt im Stadion am Schattenberg

Stefan Kraft hatte es nach dem Probedurchgang prophezeit: „Wir werden euch das Spektakel bieten, dass ihr verdient habt“. Ein restlos begeistertes Publikum im ausverkauften Stadion, das auch vom strömenden Regen in der euphorischen Stimmung nicht zu bremsen war, hatte den Österreicher zu diesem Versprechen ermutigt. Der Vorjahressieger am Schattenberg löste ein: Als Erster ging er aus dem K.O.-Durchgang in den entscheidenden Schlussbewerb, musste sich dann aber dem Polen Kamil Stoch ebenso geschlagen geben wie der große deutsche Favorit Richard Freitag. Während der Sachse mit Sprüngen auf 128,5 m und 127,0 m auf dem zweiten Platz landete, reichte es für Kraft(132,0/119,0m) nur für den undankbaren vierten Rang. Dritte wurde der Seriensieger des Sommers Dawid Kubacki (POL) (126,5m/129,0m).
Es waren schwierige Bedingungen, die das Auftaktspringen zur 66. Vierschanzentournee prägten. Dabei war es weniger der starke Regen, der den Wettkampf beeinträchtigte,sondern die wechselnden Windverhältnisse. Hauchdünn verteilt waren die Punkte nach Durchgang 1. Da lag Stefan Kraft noch in Führung, hielt Richard Freitag mit einer Weite von 132,0 m und 135, 5 Punkten noch um drei Zehntel in Schach. Dawid Kubacki, Andres Fannemel (NOR), Kamil Stoch und Markus Eisenbichler (GER) folgten im hauchdünnen Zentelbereich auf den folgenden Rängen.
Die Spannung für den Finaldurchgang war also vorprogrammiert. Im K.O-Durchgang konnten sich neben Richard Freitag auch vier weitere deutsche Springer für den zweiten Durchgang empfehlen. Karl Geiger, der nach der Qualifikation gestern auf einem aussichtsreichen 4.Rang lag, konnte die Erwartungen im Wettkampf nicht erfüllen und fand sich am Ende auf dem 22. Platz wieder. Markus Eisenbichler hielt sich mit einem 9. Platz für die folgenden drei Stationen aussichtsreich im Rennen. Andreas Wellinger, nach dem 1. Durchgang noch auf Platz 10, fiel zurück auf den 17.Platz. Stefan Leyhe war eher enttäuscht über den 24. Platz, während Youngster Constantin Schmid mit seinem Platz 28. Platz zum Tourneeeinstand zufrieden sein konnte.Pius Paschke erreichte den 2. Durchgang ebenso wenig wie Andreas Wank und David Siegel aus der Nationalen Gruppe. Martin Hamann wurde disqualifiziert wegen eines Anzugs, der nicht dem Reglement entsprach.
Richard Freitag bewahrte sich mit dem 2. Rang alle Chancen für die weiteren Tourneestationen und auf dem Gesamtsieg.„Heute war es tip-top. Beide Durchgänge waren von den Windbedingungen her schwierig. Und die Aufregung hat auch mitgespielt. Es gibt allerdings noch einiges zu arbeiten und bearbeiten und das wird jetzt erledigt“.

am 29.12.2017

Richard Freitag gewinnt die Qualifikation in Oberstdorf

Scheckübergabe

Vor 14 400 begeisterten Zuschauern bestärkt der Top-Favorit die Hoffnungen auf deutschen (Gesamt)sieg

Richard Freitag hat seinen ersten Auftrag erledigt. Der Top-Favorit wurde in der Qualifikation zum Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf seiner Rolle als Anwärter auf den Gesamtsieg gerecht. Der Sachse ließ sich von den schwierigen Rückenwind-Bedingungen nicht irritieren und landete in der Vorentscheidung mit einem Sprung auf 130,5 m und 148,1 Punkten auf Platz 1. Auf den Rängen 2 und 3 folgten Junshiro Kobayashi (JPN); 133,0 m, 142,1 P) und Stefan Kraft (AUT); 132,5 m ; 141,9 P) Der 2000-Euro-Scheck für den Sieg in der Qualifikation, überreicht vom Oberstdorfer Tourismus-Direktor Horst Graf, hatte der Sachse somit schon mal sicher. Aber er will mehr: Morgen beim Auftaktspringen zur Tournee kann er nachlegen und die Ambitionen auf den ersten deutschen Gesamtsieg nach 16 Jahren unterstreichen.
Eine starke Leistung zeigte auch Lokalmatador Karl Geiger, der sich endlich mit seiner Hausschanze versöhnt zeigte und mit einer Weite von133, 5 m / 141,8 P Vierter wurde. Stephan Leyhe als Achter und Markus Eisenbichler auf Rang zehn erfüllten vor 14 400 begeisterten Zuschauern am Schattenberg ebenfalls die Erwartungen. Der Weltcup-Zweite Andreas Wellinger landete auf Rang 14 und David Siegel auf Rang 16. Pius Paschke beendete die Quali als 30. „Rookie“ Constantin Schmid qualifizierte sich mit Platz 44 noch vor dem erfahrenen Andreas Wank (47.) und Martin Hamann (48.) für den Wettkampf.
Die ebenfalls hoch gehandelten Norweger konnten in der Quali von Oberstdorf noch nicht restlos überzeugen. Einzig Johann Andre Forfang konnte sich als Fünfter unter die TopTen einreihen. Auch die Mitfavoriten aus Polen müssen morgen noch was draufpacken. Unter den besten zehn war lediglich David Kubacki zu finden. Vorjahressieger Kamil Stoch kam nur auf einen enttäuschenden 28. Rang. Bei den stark wechselnden Windbedingugnen war offenbar nicht mehr drin für die Favoriten.
Im Wettkampf morgen werden neun deutsche Skispringer dabei sein. Richard Freitag bekommt es mit Mackenzie Boyd-Clowes (CAN) zu tun. Martin Hamann wird es schwer haben gegen Stefan Kraft (AUT). Ein rein deutsches Match gibt es zwischen Andreas Wank und Karl Geiger. Markus Eisenbichler hat gegen Cestmir Kozisek (Cze) eine machbare Aufgabe. Andi Wellinger sollte sich gegen den Finnen Eetu Nousianen durchsetzen können, während der junge Constantin Schmid mit Peter Prevc (SLO) einen kniffligen Auftrag zu erledigen hat. David Siegel trifft auf Gregor Schlierenzauer (AUT). Pius Paschke muss in der Ausscheidung gegen Anders Fannemel (NOR) eine harte Nuss knacken.
Man darf also gespannt sein, ob am Ende des morgigen Wettkampfes zwei Jahre nach dem Erfolg von Severin Freund in Oberstdorf wieder ein Deutscher ganz oben auf dem Podest steht. Das Stadion ist restlos ausverkauft. Der Probedurchgang beginnt 15 :00 Uhr. Der 1. Wettkampfdurchgang startet um 16:30 Uhr.

am 29.12.2017

Der Geiger Zähler

Karl Geiger

Die Statistik zeigt: So stabil wie nie geht Karl Geiger in die Vierschanzentournee in Oberstdorf. Der 24-jährige Lokalmatador hat gelernt, aus Misserfolgen Kraft zu schöpfen

Die Statistik zeigt: So stabil wie nie geht Karl Geiger in die Vierschanzentournee in Oberstdorf. Der 24-jährige Lokalmatador hat gelernt, aus Misserfolgen Kraft zu schöpfen. Erfreulich ist ein Trend, wenn er nach oben geht. Karl Geiger weiß das allzu gut. Seit Jahren schon klammert sich der 24-jährige Skispringer an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester an den alljährlichen Fortschritt im Stile „mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“. Und auch wenn es viele Beobachter vor dem Auftakt der 66. Vierschanzentournee in Oberstdorf nicht mehr hören können: Auch heuer ist Karl Geiger zum Tournee-Start so gut in Form wie nie zuvor. „Ich fühle mich gut, richtig im Soll“, sagt Geiger: „Ich spüre, dass ich besser bin, gefestigter. Mein Grundniveau ist allgemein höher als in den Vorjahren.“

Allen Nörglern und Kritikern des vermeintlichen ewigen Talents nimmt ein Blick auf die nackten Zahlen den Wind aus den Segeln. Denn der „Geiger-Zähler“ zeigt: Der Oberstdorfer, aktueller 14. der Weltcup-Gesamtwertung, hat mit 160 Punkten die 134 vom Vorjahr zu diesem Zeitpunkt bereits lange erreicht. 2016 hatte er nach der gesamten Saison noch 174 Punkte auf dem Konto. Im Gesamtweltcup, in der Tournee-Wertung und im Skiflug-
Weltcup war der abgelaufene Winter als jeweils Gesamt-18. sein bester. Die Platzierungen in der laufenden Saison belegen, dass Skisprung-
Fans zumindest den „stabilsten Geiger“ aller Zeiten erleben. Kaum Ausreißer nach unten Rang 18 beim Weltcup in Ruka ist das schlechteste
Saisonergebnis – wenn man überhaupt davon sprechen kann. „Ich merke, dass ich meine Leistung konstanter abrufen kann“, sagt Geiger: „Wenn man trotz einiger Patzer nicht ganz nach hinten geworfen wird, gibt das Sicherheit. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass mal ein positiver Ausreißer kommt.“ Denn so verbessert und stabiler sich der Oberstdorfer heuer auch präsentieren mag: Die Beziehung des 24-Jährigen zur Heimschanze ist auch vor seinem sechsten Tournee-Start in Oberstdorf noch immer unvollendet. „Ich muss keinen Frieden schließen mit der Schanze oder mit Oberstdorf. Ich habe mir eingestanden, dass ich mir auf der Schanze schwertue mit meinen Voraussetzungen“, sagt Geiger, dessen beste Platzierung am Schattenberg der 26. Rang von 2015 ist. „Aber ich muss hier nichts erzwingen, wenn es nicht geht. Damit kann ich leben.“

Tatsächlich liegt hier der Knackpunkt in Geigers Entwicklung. Schon im Vorjahr hatte Ex-Bundestrainer Peter Rohwein attestiert: „Karle ist im Kopf gereift. Er wirkt allgemein freier und weiß, was er zu tun hat.“ Und schon lange ist das Bild des wortkargen, weil nach Rückschlägen verbitterten Karl Geigers, Geschichte. „Ich setze nicht mehr immer auf Ergebnisse – denn das ist oft tagesformabhängig. Man kann sich gut fühlen und auf einen Schlag läuft es dann nicht“, erklärt Geiger. „Aber wenn ich am Abend zufrieden bin, mit dem was ich abgerufen habe, bin ich glücklich.“ Aus dem hadernden „Karle“ ist ein Geiger geworden, der mit sich im Reinen ist. „Der Schädel macht oft genug sein eigenes Ding. Es geht nur darum, die Bremse zu finden, wenn es mal nicht läuft. Das habe ich gelernt“, sagt Geiger.

Neue Rolle im Hintergrund

Hinzu kommt eine Sommer-Vorbereitung mit der Nationalmannschaft, von der alle DSV-Athleten merklich profitieren. Mit dem Weltcupführenden Richard Freitag, der seit Sommer in Oberstdorf wohnt, hat Geiger zudem einen Trainingspartner, der zwar „auch nicht zaubern kann, aber es gibt mir ein gutes Gefühl, zu sehen, dass es bei ihm läuft.“ Im Ensemble einer deutschen Auswahl, die die Konkurrenz heuer das Fürchten lehrt,
hat der 24-Jährige auch nichts dagegen, in diesem Winter ein Geiger in der zweiten Reihe zu sein – im Gegenteil. „Es nimmt sogar Druck von uns, dass die beiden im Moment vorneweg springen“, sagt Karl Geiger: „Das gibt uns die Möglichkeit, uns im Hintergrund ruhig auf den Tag X vorzubereiten.“

Allgäuer Anzeigeblatt 29.12.2017

am 28.12.2017

Eröffnungsfeier im Winterwunderland

Eröffnung Vierschanzentournee

Partystimmung zum Auftakt der 66. Vierschanzentournee in Oberstdorf

Eine Eröffnungsfeier wie aus einem Winterbilderbuch genossen am Vorabend des Auftakts zur 66. Vierschanzentournee mehr als 2000 begeisterte Skisprungfans im Oberstdorfer Nordic Park. Sie alle erlebten nicht nur die besten Springer der Welt hautnah. Sie durften auch teilhaben an den Plaudereien vor dem Feuertopf, wo es neben den sportlichen Zielen auch um ganz Privates ging. So verriet Stefan Kraft, der Vorjahressieger von Oberstdorf, das Weihnachtsmenü seiner Familie. Andreas Wellinger erzählte locker über eine besondere Feiertagssünde, das „Platzerl-Essen“. Robert Johansson (NOR) war sich dagegen sicher, dass sein Schnurrbart wesentlich eleganter sei als der von Richard Freitag. Völlig entspannt und mit viel Humor präsentierten sich die Top-Athleten und deren Trainer auf der Bühne.
Die Top-Stars nutzten ihren Auftritt im Kurpark vor dem Publikum in Partystimmung für jede Menge Selfies und ließen für einen Moment vergessen, wie groß die Spannung vor dem Beginn des bedeutendsten Skisprungevents ist. Die Hoffnungen, dass die deutschen Athleten die exzellente Form der bisherigen Weltcup-Wettbewerbe bewahren, sind enorm. Richard Freitag als Träger des Gelben Trikots lässt die Skisprungfans wieder träumen vom ganz großen Erfolg, den sich Sven Hannawald im Jahr 2002 holte.
Eine besondere Auszeichnung gab es für Stefan Kraft. Helmut Hanus vom Forum Nordicum überreichte dem Österreicher den Pokal für den besten Skispringer der Vorjahressaison.
Ab morgen gilt es: Um 16.30 Uhr beginnt die Qualifikation zum Auftaktspringen der 66. Vierschanzentournee. Dort ist auch für Spätentschlossene noch Gelegenheit, die Stars des Skisprungs live zu erleben. Der Wettkampf am Samstag dagegen ist restlos ausverkauft.

am 26.12.2017

Schnauzbart der Nation

Freitag

Richard Freitag, der Weltcup-Führende, ist im Sommer nach Oberstdorf gezogen. Anfangs fühlte er sich nicht recht wohl, doch jetzt herrscht pure Vorfreude auf den Tourneestart.

Für seine Fans im Internet hat er sich extra noch einmal filmen lassen. Ein Schwenk von der im Sonnenlicht glänzenden Oberstdorfer Schattenbergschanze rüber zu seinem Auto. Da steht Richard Freitag, Schnauzbart der Nation und Deutschlands derzeitiger Vorzeige-Skispringer, und sagt ein paar einstudierte Sätze auf, um seine Fangemeinde über die Feiertage bei Laune zu halten: „So Jungs“, legt er los, obwohl er doch inzwischen genauso viele weibliche Anhänger hat, und fährt im Wörterstakkato fort: „Letzte Trainingseinheit absolviert. Jetzt geht’s ab nach Hause. Frohes Fest. Wir sehen uns zur Tournee.“ Rumms, fällt die Tür ins Schloss – und weg ist er.

Ob der 26-Jährige irgendwann auf der sechsstündigen Heimfahrt ins Erzgebirge die Weihnachtsschnulze „Driving Home for Christmas“ von Chris Rea gehört hat, ist nicht überliefert. Aber es würde zum Typ Freitag passen. Auf die Frage, was er denn seit seinem Umzug im Sommer vom sächsischen Breitenbrunn nahe der tschechischen Grenze in die südlichste Gemeinde Deutschlands nach Oberstdorf am meisten vermisse, hat Freitag so kurz vor Weihnachten eine schnelle Antwort parat: „Die Schwibbögen in den Fenstern. Dass alles beleuchtet ist. Das ist schon eine erzgebirgische Tradition.“ Deshalb fahre er über Weihnachten auch in seine 540 Kilometer entfernte Heimat.“ Freitag schiebt aber noch einen Satz hinterher, der ihm wichtig ist: „Aber ansonsten fehlt es mir an nichts in Oberstdorf.“

Er, der als Topfavorit in die Vierschanzentournee startet, ist zuletzt oft gefragt worden, ob sein Wechsel an den Trainingsstützpunkt unterm Nebelhorn ausschlaggebend für seine Leistungsexplosion sei. Bis heute findet er darauf aber keine Antwort: „Welchen Anteil mein Umzug hat, kann ich nicht beziffern. Es ist ein Schritt, der wohl richtig war.“ Vergleiche zwischen seinem bisherigen Trainingsort und dem neuen lehnt er ab. „Ich spreche da kein Für und Wider aus, sondern sage: Ich bin ein Erzgebirgler, der zur Zeit im Allgäu wohnt.“ Erst auf Nachfrage öffnet der schweigsame Sachse ein klein wenig sein Herz. Es sei anfangs schon schwierig gewesen. „Sofort habe ich mich hier nicht wohlgefühlt. Ich hatte wegen Umzugsstress und Lehrgängen aber auch zu wenig Zeit, mich da aktiv zu integrieren.“ Er habe erst wenig Lust verspürt, sich unters Volk zu mischen und traf sich nur hier und da mit seiner jüngeren Schwester Selina (16) – „zum Ratschen“ in einem Oberstdorfer Café. Auch sie startet noch für die SG Nickelhütte Aue, ist wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten aber ebenso im Sommer ins Allgäu gezogen. Eine Wohngemeinschaft gibt’s nicht. „Nee, sie ist im Internat, ich bin in einer Wohnung“, klärt Freitag auf, der mit 550 Punkten nicht nur im Gesamtweltcup komfortabel vor Andreas Wellinger (399) führt, sondern sich an fünf Winter-Wochenenden quasi im Flug ein erkleckliches Weihnachtssalär von 55 000 Euro sicherte. Berauscht vom derzeitigen Höhenflug gewinnt er seinem Wechsel ins Allgäu doch mehrheitlich Positives ab: „Ich habe jetzt weniger lange Autofahrten, bin immer in der Nähe der A-Mannschaft und hab’ mit Christian Winkler einen Heimtrainer, mit dem ich schon sehr lange zusammenarbeite.“ Auch das Leben nach dem Training kann er mittlerweile genießen: „Ich kenn jetzt ein paar Chaoten mehr“, witzelt er.
„Und ja, man kann in Oberstdorf schon seinen Spaß haben.“ Gewandert sei er im Herbst, auch mal geradelt – und einen Lieblings-Italiener habe er auch gefunden: „Am Ende der Fußgängerzone – Pepe oder so.“

Bundestrainer Werner Schuster lobte Freitag nach seinem Erfolg in Engelberg (Schweiz) in den höchsten Tönen: „Intern ist er ein toller Orientierungsmarker und nach außen hat er unsere Sportart spitzenmäßig
präsentiert.“ Der Umzug ins Allgäu sei überfällig gewesen, Oberstdorf sei nun mal das „Epizentrum für deutsche Skispringer“. Zur bevorstehenden
Vierschanzentournee sagt Schuster: „Richi kann alle Schanzen. Aber er hat jetzt viel Zeit zum Nachdenken. Ich bin gespannt, wie er das meistert.“
Freitag macht sich darüber keinen Kopf: „Ist doch schön, wenn die erste Saisonphase so gut war und du sagen kannst: Auf geht’s, jetzt geht’s
weiter so. Da kannst du locker in den Weihnachtsbraten beißen.“

Allgäuer Anzeigeblatt, 23.12.2017

am 26.12.2017

Aufbruchstimmung

LL-Nachwuchs Oberstdorf

Der SC Oberstdorf besteht seit 111 Jahren. Er brachte Olympiasieger und Weltmeister hervor. Die WM 2021 soll für neuen Schwung sorgen

Hinter dem Kreisverkehr, so kurz nach dem Ortsschild, die Schanzen im Blick, da muss es irgendwo versteckt sein. Das Geheimnis. Genauer gesagt: das Erfolgsgeheimnis des SC 1906 Oberstdorf. Denn: Irgendetwas läuft in dieser Marktgemeinde anders als in anderen Orten. Nur so ist es schließlich zu erklären, dass ausgerechnet Oberstdorfer Skisportler disziplinenübergreifend erfolgreicher sind als ihre Konkurrenz. Die Titel- und Medaillensammlung wächst Jahr für Jahr. Experten artikulieren es schon längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand: Der SCO ist der erfolgreichste Skiclub der Welt. Aber: Wo oder was ist das Geheimnis? Eine Spurensuche soll Licht ins Dunkel bringen…

Ortseingang Oberstdorf, von der B19 kommend, gleich links – das Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium. Auf einem Schild, unmittelbar neben dem Eingang, steht: Eliteschule des Sports. „Wir sind im Augenblick die einzige staatliche Schule, die gleichzeitig auch Eliteschule des Sports ist,“ sagt Direktor Ludwig Haslbeck. Einer seiner erfolgreichsten Abiturienten ist Johannes Rydzek, mittlerweile sechsfacher Weltmeister in der Nordischen Kombination und Topfavorit auf Gold bei den Olympischen Spielen im Februar 2018. Rydzek hat auch von einem modernen Schulsystem profitiert, das ihm neben dem Training auch das Abitur
ermöglicht hat. „Unsere Spitzensportler können in Einzelfällen drei Jahre in der Oberstufe verbringen,“ erläutert Haslbeck. „Zudem bieten wir in der Mittelstufe einen eigenen Sportlerzweig an. Und wir haben seit zwei Jahren die Mittelstufe plus – sogar als Pilotschule.“ Das bedeutet: Die Schüler sind statt drei dann vier Jahre in der Mittelstufe, verringern damit die schulischen Belastungen, haben mehr Übungszeiten und keinen Nachmittagsunterricht. Besonders Engagement wird dabei vom Lehrpersonal erbracht. Von insgesamt 500 Schülern sind 130 Leistungssportler.

Am Fuße der Nebelhornbahn, mitten im Ort, sitzt Florian Kuiper in seinem Büro und koordiniert unter anderem die Infrastruktur für die Sportler. „Oberstdorf hat deutschlandweit, auch pädagogisch gesehen, einen sehr guten Ruf,“ freut sich der Leiter des Sportinternats. „Wir haben in unserem Internat inzwischen Athletinnen und Athleten aus sehr unterschiedlichen Sportarten. Von Eiskunstlauf bis Snowboardcross, dazu Alpine, Langläufer und Nordische Kombinierer.“ Heißt: Die Kombination aus Schule und Sport gibt nicht nur den Talenten eine gewisse Sicherheit in Sachen Ausbildung, sondern auch oder gerade den Eltern. Und schon ist der Anreiz da, sich für den SC Oberstdorf zu entscheiden. „Insbesondere in den höheren Schulklassen ist es häufig für die Eltern schwierig einzuschätzen: Kann ich meinem Kind den Leistungssport perspektivisch gesehen als alleinigen Job mitgeben oder hat es die Möglichkeit, etwas zu lernen“, sagt Peter Kruijer, Erster Vorsitzender des SCO. „Es kommen nämlich nicht alle oben an.“ Und so hat derjenige, der später auf irgendeinem sportlichen Level hängen bleibt, zumindest noch eine vernünftige Schulbildung. Doch nicht nur Gymnasium oder Internat machen den Standort Oberstdorf attraktiv. Es sind vor allem auch die Sportstätten und die Großveranstaltungen, die Kinder und Jugendliche zum Wintersport führen. „Das visuelle ist für die jungen Athleten mindestens genauso Mittags wichtig wie das Training“, sagt Langlauftrainer Hartmut Arnold. „Die Kinder sehen die Weltklasse-Athleten und versuchen, diese dann zu kopieren. Zudem sind sie bei den Wettkämpfen mittendrin.“ Als Fahnenträger bei der Vierschanzentournee
oder als Vorläufer bei der Tour de Ski zum Beispiel. Auge in Auge, Seite an Seite mit Weltmeistern und Olympiasiegern – das hat schon was. „Schanzen direkt im Ort, ein Langlaufstadion, alle Liftanlagen in unmittelbarer Nähe – die Infrastruktur in Oberstdorf ist einmalig“, frohlockt Kuiper, der auch immer wieder vom „besten Stützpunkt Deutschlands“ spricht. Wohl auch deshalb, weil er an der Schnittstelle von Nachwuchs- zu Spitzensportlern mit dem SC Oberstdorf einen zuverlässigen und leistungsstarken Partner hat. „Einige Trainer sind mischfinanziert“, sagt der Stützpunktleiter, was die sehr enge Zusammenarbeit unterstreicht.

Insgesamt beschäftigt der SCO 18 Trainer, fährt mit acht Bussen zu Trainingslagern und Wettkämpfen. Angeboten werden die Disziplinen Skisprung/Nordische Kombination, Langlauf und alpines Skifahren. Knapp 300 Nachwuchssportler werden zur Zeit gefördert, 37 aus dem Bereich Sprung/NoKo, 138 Langläufer und 120 Alpine. Außerhalb des Ortszentrums, im Langlaufstadion im Ried, spornt Trainer Arnold derweil seine Jugendlichen an; vermittelt Technik und Ausdauer. Nebenbei geht es aber noch um einiges mehr. „Sie können das heutzutage nicht mehr nur auf den reinen Leistungsaspekt reduzieren. Hier stehen auch Persönlichkeitsbildung, Disziplin und Lösen von möglichen Problemen innerhalb einer Gruppe mit auf der Agenda“, verrät der Übungsleiter. Derweil haben sich oben auf dem Fellhorn die Alpinen eingefunden. Nach Schule und kurzer Mittagspause ist Riesenslalom-Training angesagt. Bei strahlend blauem Himmel und einer ausgezeichnet präparierten und abgesperrten Piste. „Das“, sagt David Berktold, „geht nur mit der Unterstützung der Oberstdorfer Bergbahnen. Selbst in schwierigen Zeiten, mit wenig Schnee, können wir hier trainieren.“ Zudem verweist Berktold auf das Zusammenspiel mit dem Gymnasium, gerade wenn es im Herbst mal für ein paar Tage zum Gletschertraining geht. „Wir versuchen den Unterrichtsstoff so abzustimmen, dass unsere Athleten in der Zeit, in der sie fehlen, nicht allzu viel verpassen.“ Mit anderen Worten: Wird auf den Bergen länger gearbeitet, fahren sie in der Schule die Umfänge ein wenig zurück. Dieses „Teamwork“ funktioniert. „Für uns ist es doch Bestätigung, wenn ein Schüler sportlichen Erfolg hat“, sagt Direktor Haslbeck. Mittlerweile dämmert es in Oberstdorf. Das Flutlicht an den Schanzen geht an, rege Betriebsamkeit am Schattenberg. Ralf Schmid hat seine Gruppe versammelt, ein paar Eltern stehen im Auslauf. „Viele Mamas haben Angst um ihre Kinder, wenn sie sie so durch die Luft fliegen sehen, aber es passiert glücklicherweise relativ wenig“, sagt Schmid. Er hatte zuletzt ein paar geburtenschwache Jahrgänge, inzwischen sind die Kader wieder größer. „Dennoch,“ schmunzelt Schmid, „liebe Eltern, bitte dranbleiben, damit wir den Sprungsport auch in den nächsten Jahre so weiter betreiben können.“ Das Fleckchen Erde am Schattenberg unterscheidet den SC Oberstdorf maßgeblich von seinen Mitbewerbern: die Schanzen und das Stadion, auf das einmal im Jahr die ganze Welt schaut – zum Auftakt der Tournee. „Über dessen finanziellen Erfolg und den der anderen Großveranstaltungen sichern wir die Nachwuchsförderung“, erläutert Kruijer. Hinzu kommen mögliche Erlöse aus Weltmeisterschaften. Wenn an deren Ende eine „schwarze Null“ steht, ist das ein Erfolg für die Nachwuchsarbeit. „Die Jugendlichen werden durch derartige Events motiviert, avancieren später vielleicht dadurch zu Leistungsträgern und ziehen wieder Jüngere nach“, rechnet Kruijer vor, der hauptberuflich Arzt ist.

Auf Aufbruchstimmung, was die Mitgliederzahlen anbetrifft, setzen die Oberstdorfer mit Blick auf die Nordische Ski-WM 2021, die dritte nach 1987 und 2005. Damals gab es einen kleinen Boom, waren die Trainingsgruppen proppevoll. „Eine WM gibt uns aber auch infrastrukturell vielleicht die Möglichkeit, an der einen oder anderen Stelle nachzubessern“, hofft Kuiper aus Sicht des Sportinternats. Idealerweise wäre das in Form einer modernen Sporthalle, einer Art Sportzentrum, mit entsprechendem Fitnessbereich für die vielen Athleten, die in Oberstdorf trainieren. „Und dem Internat stünde eine Modernisierung auch gut zu Gesicht“, fügt er hinzu. Klappt das, wird der rund 2100 Mitglieder starke SC Oberstdorf auch weiterhin für Furore sorgen – in vielen Jahrgangsstufen, Disziplinen und Ergebnislisten. Der Blick hinter die Kulissen hat diverse Erkenntnisse darüber geliefert, warum das alles so ist. Der entscheidende Hinweis kommt aber schließlich im dunklen Skisprung- Stadion. Und zwar von Ralf Schmid. „Das Besondere hier ist der Zusammenhalt innerhalb der Marktgemeinde zwischen Sport, Tradition und dem Engagement jedes Einzelnen im Skiclub.“ Na bitte – damit ist
das Erfolgsgeheimnis wenigstens ein bisschen gelüftet.

Allgäuer Anzeigeblatt, 23.12.2017

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